MDR-Compliance für den Medizinprodukte-Fachhandel — Der vollständige Leitfaden

    EUDAMED wird Pflicht — was Medizinprodukte-Fachhändler ab dem 28. Mai 2026 wissen müssen

    DWDominik Wild7 Min. LesezeitAktualisiert 27. Mai 2026

    Am 28. Mai 2026 werden vier zentrale EUDAMED-Module verbindlich. Für Fachhändler heißt das: Hersteller-Stammdaten brauchen die SRN, die Wirtschaftsakteure-Kette muss lückenlos sein, und die Bezirksregierungen weiten Inspektionen explizit auf Händler aus.

    EUDAMED ab 28. Mai 2026: Was Fachhändler für Medizinprodukte jetzt im Blick haben sollten — Stammdatenqualität, Rückverfolgbarkeit, regulatorische Dokumentation, frühzeitig handeln

    Worum es geht

    Am 28. Mai 2026 wurden vier zentrale Module der europäischen Medizinprodukte-Datenbank EUDAMED verbindlich. Was jahrelang als „in Verzug“ galt, ist mit Beschluss (EU) 2025/2371 der EU-Kommission vom 27. November 2025 jetzt vorgeschrieben. Wer als Wirtschaftsakteur Medizinprodukte herstellt, importiert, EU-bevollmächtigt vertritt oder als Sets nach Art. 22 in Verkehr bringt, muss registriert sein. Wer als Händler diese Hersteller im Stamm führt, muss die SRN (Single Registration Number) erfassen können.

    Für den Fachhandel heißt das: Die MDR-Compliance, die viele bisher als „kommt irgendwann” einsortiert haben, wird in dieser Woche operativ. PARITY.med ist darauf vorbereitet — und macht es dir leicht.

    Was ist EUDAMED?

    EUDAMED (European Database on Medical Devices) ist die zentrale EU-Datenbank, in der alle Medizinprodukte, ihre Hersteller, Importeure, EU-Bevollmächtigte, Benannte Stellen, Konformitätsbescheinigungen und Vorkommnisse erfasst werden. Sie wurde mit der Medizinprodukte-Verordnung (EU) 2017/745 (MDR) und der In-vitro-Diagnostika-Verordnung (EU) 2017/746 (IVDR) ins Leben gerufen.

    Bisher war EUDAMED auf freiwilliger Basis nutzbar. Mit der jetzt feststehenden Funktionsfähigkeitserklärung der ersten vier Module beginnt die verbindliche Phase.

    Welche vier Module sind nun verpflichtend?

    ModulWas es enthältWer muss handeln
    Wirtschaftsakteure-RegistrierungStammdaten + Adressen aller Akteure (Hersteller, EU-Bevollmächtigte, Importeure, System-Assembler nach Art. 22)Alle Wirtschaftsakteure — Vergabe der SRN (Single Registration Number)
    UDI-Datenbank + Produkt-RegistrierungJedes auf den EU-Markt gebrachte Medizinprodukt mit UDI-DIHersteller (vor Inverkehrbringen)
    Benannte Stellen + BescheinigungenKonformitäts-Bescheinigungen aller Notified Bodies (TÜV, DEKRA, …)Hersteller mit Klasse-IIa-/IIb-/III-Produkten + ihre Benannten Stellen
    MarktüberwachungInspektionen und Maßnahmen der zuständigen Behörden — z.B. der Bezirksregierungen in NRWBehörden; Händler werden in Verfahren einbezogen

    Die Module für Vigilanz (schwerwiegende Vorkommnisse) und klinische Prüfungen folgen Ende 2026, voraussichtlich verbindlich ab Q2/2027.

    Was bedeutet das konkret für Fachhändler?

    Auch wenn der Händler nicht selbst in EUDAMED registriert sein muss (außer er wird durch Direkt-Import zum Importeur, Art. 13 Abs. 1 MDR), verändert die Pflicht den Alltag in mindestens drei Punkten.

    Hersteller-Stammdaten brauchen die SRN

    Ab dem 28. Mai 2026 muss bei jedem MDR-Produkt der Hersteller (und ggf. EU-Bevollmächtigte und Importeur) mit seiner Single Registration Number identifizierbar sein. Das ist eine eindeutige, EUDAMED-vergebene ID, die der Hersteller bekommt, sobald er sich registriert hat. In der Praxis heißt das: Dein ERP muss bei jeder Hersteller-Stammdaten-Anlage ein SRN-Feld mitführen und idealerweise die Korrektheit gegen EUDAMED prüfen können.

    Wirtschaftsakteure-Kette muss lückenlos dokumentiert sein

    MDR Art. 25 verlangt, dass der gesamte Weg eines Produkts vom Hersteller zum Anwender rückverfolgbar ist — und zwar 10 Jahre ab Inverkehrbringen, bei implantierbaren Produkten 15 Jahre. Das beinhaltet bei Nicht-EU-Herstellern den EU-Bevollmächtigten und beim Direkt-Import (Streckengeschäft ausgenommen) den Importeur.

    Die Aufzeichnung passiert beim Händler: in Lieferscheinen, Rechnungen, Geräte-Stammdaten. Wer das heute nur in Papier-Akten oder Excel-Tabellen führt, hat seit dem 28.05.2026 ein echtes Audit-Risiko.

    Übergangsfristen — keine pauschale Schonzeit

    WasBis wann
    Neue Produkte ab 28.05.2026vor Inverkehrbringen in EUDAMED registriert
    Bestandsprodukte (am 28.05.2026 schon im Verkehr)Nachregistrierung bis 28. November 2026
    Vor 28.05.2026 ausgestellte MDR/IVDR-BescheinigungenEintrag bis 28. Mai 2027
    Vigilanz- und klinische Prüfungs-Modulevoraussichtlich ab Q2/2027 verbindlich

    Welche Risiken drohen bei Nicht-Compliance?

    In den Webpräsenzen aller fünf Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf, Köln, Münster, Detmold, Arnsberg, jeweils Dezernat 24) ist die Vor-Ort-Inspektion bei Händlern von Medizinprodukten explizit als Aufgabe genannt. Bei einem MDR-Seminar bei einem unserer Pilot-Kontakte Anfang 2024 wurde berichtet, dass die NRW-Bezirksregierungen die Inspektionstätigkeit von Herstellern auf Händler ausweiten. Mit dem Start der verbindlichen EUDAMED-Phase ist davon auszugehen, dass die Aufsichtspraxis sich konsolidiert.

    Konsequenzen bei Nicht-Erfüllung der Sorgfaltspflichten (MDR Art. 14) reichen von Bußgeldern über Vertriebsverbote für betroffene Produkte bis hin zur persönlichen Haftung der Geschäftsführung. Hinzu kommt der Reputationsschaden — bei einem Rückruf eines Herstellers, der dich nicht auf Knopfdruck deine betroffenen Kunden identifizieren lässt, ist dein Tag gelaufen.

    Was löst PARITY.med für dich?

    PARITY.med ist die KI-gestützte ERP-Neuentwicklung für den Fachhandel Medizinprodukte. Wir bauen die MDR-Compliance nicht als Add-on, sondern als integralen Bestandteil des Datenmodells:

    • Hersteller, Importeur, EU-Bevollmächtigter sind im Stamm als Geschäftspartner mit SRN-Feld geführt — schon bei Anlage prüft das System auf Plausibilität.
    • UDI-DI auf Artikel-, UDI-PI auf Geräte-Ebene — sauber getrennt, wie MDR Art. 27 es verlangt.
    • CE-Kennzeichnung, Klassifizierung, Notified-Body-Nummer pro Artikel — keine Free-Text-Felder, keine Datenpflege-Lücken.
    • 10-/15-Jahres-Rückverfolgbarkeit über die durchgängige Lieferketten-Erfassung (Wareneingang → Lagerbestand → Verkauf → Kunde).
    • Rückruf auf Knopfdruck: Wenn ein Hersteller eine Charge zurückruft, ermittelt PARITY.med in Sekunden alle Kunden, die diese Charge erhalten haben, und erzeugt vorformulierte FSN-Anschreiben (Field Safety Notice).
    • Mandanten-konfigurierbare Klassifizierungs-Tabellen für die mit jeder MDR-Anpassung wechselnde Risiko-Einstufung — du bist nicht abhängig von Update-Zyklen des ERP-Anbieters.
    • Wirtschaftsakteure-Audit-Log mit 15-Jahres-Aufbewahrung — DSGVO-konform und Behörden-verifizierbar.

    Im Pilot 2026-Q3 stellen wir die ersten Bestandskunden auf PARITY.med um. Einfache Migration für b-med-Anwender: Die Daten aus b-med werden per Knopfdruck übernommen. Auch aus anderen Altsystemen lassen sich Daten einfach übernehmen. Du kannst die Daten auch mehrfach aktualisieren, bis du dir sicher bist — ohne Big-Bang-Risiko.

    Was solltest du heute konkret tun?

    1. Hersteller-Liste durchgehen — Welche deiner Top-20-Hersteller sind bereits EUDAMED-registriert? Bei welchen musst du aktiv die SRN nachfordern?
    2. Aufbewahrungsprozesse prüfen — Kannst du zu einem zufällig gewählten Artikel aus dem letzten Jahr in unter 5 Minuten alle Kunden mit Lieferdatum nachweisen?
    3. § 24 MPDG-Anzeige verifizieren — Ist deine Anzeige bei der Bezirksregierung aktuell?
    4. Rückruf-Probelauf — Simuliere intern einen Rückruf einer beliebigen Charge: Wie lange brauchst du, alle betroffenen Kunden zu identifizieren?
    5. ERP-Roadmap klären — Wenn dein Altsystem die Wirtschaftsakteure-Kette nicht abbildet, zeigen wir gerne den möglichen Migrationspfad zu PARITY.med.

    Häufige Fragen

    Reine Händler ohne Importeur-Funktion müssen sich nicht selbst registrieren. Du musst aber die SRN deiner Hersteller in den Stammdaten führen. Wer durch Direkt-Import zum Importeur nach Art. 13 Abs. 1 MDR wird, muss sich selbst registrieren.
    Die SRN ist die eindeutige, von EUDAMED bei der Registrierung vergebene Kennung eines Wirtschaftsakteurs. Ab 28.05.2026 muss bei jedem MDR-Produkt der Hersteller über seine SRN identifizierbar sein.
    Bestandsprodukte müssen bis zum 28. November 2026 in EUDAMED nachregistriert sein. Vor dem 28.05.2026 ausgestellte MDR/IVDR-Bescheinigungen müssen bis zum 28. Mai 2027 eingetragen werden.
    Nicht am 28.05.2026. Diese beiden Module folgen Ende 2026, voraussichtlich verbindlich ab Q2/2027.
    Bußgelder, Vertriebsverbote für betroffene Produkte, persönliche Haftung der Geschäftsführung. Außerdem Reputationsschaden bei Rückrufen, die der Händler nicht zeitnah bedienen kann.
    Es gibt keine harte Sekunden-Vorgabe — aber „nach Stunden“ gilt als nicht-konform. PARITY.med ermittelt in Sekunden alle Kunden, die eine bestimmte Charge erhalten haben.

    Quellen

    1. EU-KommissionBeschluss (EU) 2025/2371 vom 27.11.2025
    2. TÜV NORDEUDAMED: Obligatorische Nutzung von vier Modulen ab 28. Mai 2026
    3. NSFEUDAMED Milestone: Mandatory Modules from 28 May 2026
    4. Pharma DeutschlandEuropäische Datenbank für Medizinprodukte: erste elektronische Systeme funktionsfähig, Übergangsbestimmungen beginnen
    5. BfArMEuropa und EUDAMED (Überblick)
    6. BASGVerpflichtende Nutzung der ersten vier Module von EUDAMED
    7. Bezirksregierung KölnMedizinprodukte — Aufsicht und Inspektion
    8. AbroadLinkWann wird EUDAMED verpflichtend, Beschluss (EU) 2025/2371
    9. SEFIRO GROUPDie ersten vier Module von EUDAMED müssen ab dem 28. Mai 2026 verpflichtend verwendet werden
    10. MDR-Support@NRWLandesprojekt zur MDR-Umsetzung in NRW
    DW
    Fachlich geprüft am 27. Mai 2026
    Dominik Wild
    Geschäftsführer, PARITY Software GmbH

    Dominik Wild ist Geschäftsführer der PARITY Software GmbH und verantwortet neben dieser Funktion aktuell die Produktentwicklung von PARITY.med. Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Standardsoftware-Entwicklung, Zoll- und Außenwirtschaft sowie in der Entwicklung von ERP-Systemen für regulierte Branchen begleitet er den Medizinprodukte-Fachhandel bei Digitalisierung, MDR-Compliance und Migrationsprojekten — vom Mittelständler bis zum spezialisierten Großhandel.

    Sind deine Hersteller-Stammdaten EUDAMED-ready?

    In 15 Minuten zeigen wir, wie PARITY.med die SRN-Erfassung, UDI-DI/PI-Trennung und Rückruf-auf-Knopfdruck in deinem Workflow umsetzt.

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